StartseiteAus NiederkasselNeuesPersönlichesVeranstaltungenPresseLerne den Islam kennenLernen für das LebenBildungBilder
DezemberIslam - die Religion 
BücherHäufig gestellte Fragen
Islam kennen lernenMoschee Königswinter
Liberal-Islamischer Bund e.V.Hilfe für Frauen und Mädchen
FIBEr e.V.
Inhalt und Kontakt

 

Monat Dezember 2010

 

 

Lasst uns menschlicher und fairer miteinander umgehen –

egal welcher Religion oder Weltanschauung wir angehören.

 

Sure 41:34:

Die gute Tat ist nicht der schlechten gleich (zusetzen). Weise (die Übeltat) mit etwas zurück, was besser ist (als sie), und gleich wird derjenige, mit dem du (bis dahin) verfeindet warst, wie, ein warmer Freund (zu dir) sein. (Übersetzung Rudi Paret)         

 

Das Wunderbare am Jahreswechsel ist die Möglichkeit, das alte Jahr verabschieden zu dürfen mit all seinen erfreulichen und weniger erfreulichen Ereignissen. Das Loslassenkönnen empfinde ich als etwas psychologisch sehr Wichtiges für den Menschen. Es ermöglicht uns, neue Kraft und neuen Mut zu schöpfen und schafft Raum für gute Vorsätze.

 

Es gab da einiges im alten Jahr, von dem ich mich sehr gerne verabschiedet habe. Vor allem, weil es einige turbulente Ereignisse gab, die ich als sehr angsterregend empfunden habe. Die Vorkommnisse überschlugen sich; eine Studie jagte die nächste, in der der Islam und die Muslime in immer negativerem Licht dargestellt wurden.

 

Ich habe mich im vergangenen Jahr oft gefragt, was noch alles kommt. Vor allem mache ich mir viele Gedanken darüber, was die Zukunft bringen wird. Doch auch in schwierigen Zeiten mahnt uns ein Vers im Koran, dass wir Muslime keinesfalls unsere Zeit damit vergeuden sollen, in Lethargie zu verfallen. Denn Gott ändert den Zustand eines Volkes nicht, bevor es sich nicht selbst geändert hat.

 

Sure 8: 53:

Dies (ist so), weil Allah niemals eine Gnade ändern würde, die Er einem Volk gewährt hat, es sei denn, daß es seine eigene Einstellung änderte, und weil Allah Allhörend, Allwissend ist.

 

Ich sehe darin einen Aufruf an jeden von uns, für Verbesserungen im Rahmen unserer Möglichkeiten einzutreten. Etwas, was mir besonders am Herzen liegt, und was, wie ich finde, in letzter Zeit vernachlässigt worden ist, könnte zum Vorsatz für uns alle werden:

Lasst uns menschlicher und fairer miteinander umgehen – egal welcher Religion oder Weltanschauung wir angehören.

 

Interesse am Befinden des Anderen zu zeigen, sich gegenseitig zu den Feiertagen zu gratulieren oder gar zu Hause zu besuchen, dies sollte selbstverständlich sein. Mir scheint, viele aufgebrachte Zeitgenossen sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht. Es wird heftig über das Weltgeschehen diskutiert, und dabei werden die zwischenmenschlichen Begegnungen vernachlässigt. Immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, sich auf eine natürliche Art und Weise aufeinander einzulassen. Zu groß scheinen Vorurteile und Ängste zu sein. Dabei wäre ein freundliches und menschliches Miteinander der beste und leichteste Weg, das zu ändern. Ein Vers gefällt mir in diesem Zusammenhang besonders gut. In Sure 41 Vers 34 lesen wir, dass aus Feinden Freunde werden können, wenn sie bereit sind, auf negatives Verhalten positiv zu reagieren. Das ist ein, wie ich finde, schwieriger und gleichzeitig wichtiger Ansatz auf dem Weg zu mehr Menschlichkeit.     

 

Sure 8:53:

Dies (geschieht) deshalb, weil Gott eine Gnade, die er einem Volk erwiesen hat, nicht abstellen will, solange sie nicht (ihrerseits) abstellen, was sie an sich haben. Gott hört und weiß (alles). (Übersetzung Rudi Paret) 

 

Sure 41:34:

Die gute Tat ist nicht der schlechten gleich (zusetzen). Weise (die Übeltat) mit etwas zurück, was besser ist (als sie), und gleich wird derjenige, mit dem du (bis dahin) verfeindet warst, wie, ein warmer Freund (zu dir) sein. (Übersetzung Rudi Paret)         











 

04.01.2011 · 07:20 Uhr

Im Eierstock reifende Eizelle: Wann beginnt menschliches Leben?

Präimplantationsdiagnostik - aus islamischer Sicht umstritten, aber möglich!

Von Lamya Kaddor

Die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, ist auch aus islamischer Sicht umstritten. Es wäre zu kurz gedacht, sich hier bloß auf die moralischen Gefahren dieser neuen Technologien zu konzentrieren.

Die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, ist auch aus islamischer Sicht umstritten. Es wäre zu kurz gedacht, sich hier bloß auf die moralischen Gefahren dieser neuen Technologien zu konzentrieren. Egal wie groß die Gefahren auch sind, die Nöte der Betroffenen bleiben in jedem Fall bestehen. Und wenn sich Eltern ein Lösungsweg bietet, werden sie ihn suchen und finden. Es geht also letztlich nicht darum, ob man das Machbare machen darf, sondern wie sich das Machbare kanalisieren lässt.

Um sich ein Urteil zu bilden, sollte man daher nicht bloß die theologischen Quellen befragen, sondern sich auch lange genug mit ungewollt kinderlosen Paaren oder jenen beschäftigen, die schwere Defekte in ihrer Erbmasse aufweisen.

Meist handelt es sich bei Anwendern der PID um Personen, die eine Odyssee nach der anderen hinter sich haben. Sie müssen Dutzende und unendlich lange Untersuchungen, physische und psychische Schmerzen über sich ergehen lassen. Die Mühen nehmen diese Eltern meist nur auf sich, wenn es eben möglich ist, ein gesundes Kind zu bekommen.

Aus meiner Sicht ist ihnen die Religion des Islam dabei kein Hindernis, sondern eine Stütze. Der Koran betont in Sure 2, Vers 185: "Der Glaube soll es Euch leicht machen, nicht schwer."

Theologisch lässt sich die Antwort, wie Gott zur PID steht, unter anderem am Zeitpunkt der Beseelung des Embryos festmachen. Der Koran spricht vom Einhauchen der Seele. Er sagt aber nicht, wann das geschieht. Nach herrschender Auffassung erfolgt dieser göttliche Akt frühestens am 40., spätestens am 120. Entwicklungstag des Embryos.

Hintergrund ist eine prominente Überlieferung des Propheten Muhammad, der demnach gesagt hat: "Wahrlich, die Schöpfung eines jeden von Euch wird im Leibe seiner Mutter in vierzig Tagen zusammengebracht; danach ist er ebenso lang ein Blutklumpen, danach ebenso lang ein kleiner Fleischklumpen. Dann haucht Er ihm die Seele ein."

Der Islamwissenschaftler Thomas Eich weist darauf hin, dass der Zeitpunkt der Beseelung von modernen islamischen Gelehrten zudem mit einer embryonalen Wachstumsphase in Zusammenhang gebracht wird. Verschiedene Hirnregionen verbinden sich miteinander.

Daraus wurde abgeleitet, dass die Bewegung des Embryos nun auf einen Willen zurückgehe, was zuvor ausgeschlossen gewesen sei. Die Existenz eines Willens wiederum sei Ausdruck der Existenz einer Seele, durch die eine individuelle Personalität hergestellt werde.

Die PID als reiner Eingriff wäre also anwendbar, wenn man den Menschstatus des Embryos erst mit dem Einhauchen der Seele verknüpft. Die Gegner argumentieren hingegen, menschliches Leben beginne bereits vorher: mit der Verschmelzung von Spermium und Eizelle.

Das zentrale ethische Problem der PID liegt nun aber nicht im Eingriff selbst, sondern vielmehr darin, dass man über das Leben selber entscheidet und bestimmt, wie und ob ein Leben lebenswert ist. Theologisch leiten die Gegner der PID hier das Verbot aus dem Koran in Sure 95, Vers 4 ab. Darin heißt es, dass Gott den Menschen "in bester Form" (fi ahsani taqwimi) erschaffen habe. Damit übernimmt Gott allein die Verantwortung für seine Schöpfung. Der Mensch hat nicht das Recht, in diesen Prozess hineinzupfuschen.

In Sure 2, Vers 286 heißt es ferner: "Gott bürdet keiner Seele mehr auf, als sie zu tragen vermag." Zudem wäre das Verwerfen eines Embyros analog zu einem Schwangerschaftsabbruch zu sehen. Und dieser ist nach bislang herrschender theologischer Lehre wegen der koranischen Schutzrechte des Menschen grundsätzlich verboten. Ausnahmen vom Abtreibungsverbot können gemacht werden, wenn die Schwangerschaft die Gesundheit bzw. das Leben der Mutter gefährdet. Dann aber höchstens bis zum 120. Entwicklungstag des Fötus.

Die Befürworter der PID wiederum halten zu Recht das islamische Prinzip dagegen, wonach Nützliches grundsätzlich erlaubt sei, solange es im Koran und in den übrigen Rechtsquellen des Islam kein Verbot gebe. Außerdem betonen sie, dass sich der medizinische Fortschritt im Rahmen des göttlichen Gesamtwillens bewege. Wenn die PID von Gott ungewollt sei, wäre sie nicht möglich. Ungeachtet der strafrechtlichen oder theologischen Bedenken muss, wie zuvor gesagt, eine tragbare Lösung mit Blick auf den Menschen gefunden werden.

Lamya Kaddor, geboren 1978 als Tochter syrischer Einwanderer, studierte Arabistik und Islamwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Komparatistik an der Universität Münster, bildete dort vier Jahre (2004 bis 2008) islamische Religionslehrer aus und übernahm die Aufgaben einer Vertretungsprofessur "Islamische Religionspädagogik", derzeit arbeitet sie als Lehrerin im Rahmen des nordrhein-westfälischen Schulversuchs "Islamkunde in deutscher Sprache" in Dinslaken. Sie tritt als Sprecherin für das muslimische Wort, dem sogenannten "Forum am Freitag" des ZDF auf und gehört zum Beraterkreis "Islam" des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann. 2010 gründete sie in Duisburg einen Verein für liberale Muslime. Sie hat an einem "Koran für Kinder und Erwachsene" und am ersten deutschsprachigen Schulbuch für einen islamischen Religionsunterricht "Saphir" mitgearbeitet. Außerdem schrieb sie das Buch "Muslimisch-weiblich-deutsch! Mein Leben für einen zeitgemäßen Islam" (2010). 2010 wurde sie mit dem European Muslim Women of Influence Award des europäischen, muslimischen Netzwerkes CEDAR ausgezeichnet, mit dem einflussreiche muslimischen Frauen in Europa gewürdigt werden.

Beitrag aus dem Deutschlandfunk:

 

 

Gemeinsam statt einsam –

Von Murad Wilfried Hofmann

Stolpersteine auf dem Weg zum christlich-islamischen Verständnis

Mein Thema ist pessimistisch, indem es von einem holprigen Weg ausgeht, auf dem man stolpern kann. Doch schlussendlich ist es optimistisch, indem es von einem künftigen Verständnis, ja Zusammenwirken, zwischen den beiden Religionen ausgeht - und dies zu Recht.

Beginnen wir denn mit den Stolpersteinen, die beide Seiten auf ihrem Weg zueinander platziert haben. Davon gibt es einige. Weshalb es voreilig - obgleich berechtigt - wäre, nach dem etwas utopischen, jedenfalls unhistorischen, christlich-jüdischen Modell bereits von einem christlich-islamischen Vermächtnis zu sprechen. Doch davon zu träumen, ist angesichts der Religionsentwicklung in Europa erlaubt; denn so konfrontativ, ja blutrünstig die hiesige Religionsgeschichte auch war, steht sie doch der heutigen Ökumene nicht im Wege.

Wie gewohnt direkt zum Punkt kommend: Murad Wilfried Hofmann

der ganze Artikel im PDF-Format zu lesen.

 

 

Zuwanderungsdebatte in Deutschland

Was ist Integration?

aus

In der Integrationsdebatte wird oft der Eindruck erweckt, dass es je nach Herkunft besser oder schlechte integrierte Migranten gebe. Das empirische Datenmaterial über die in Deutschland lebenden Migranten lässt aber eine solche Wertaussage nicht zu. Denn hierfür müsste man wissen, was unter Integration eigentlich verstanden wird. Von Kamuran Sezer

Solange es keinen Definition darüber gibt, was Integration ist, kann man keine Aussagen darüber machen, ob und wie bestimmte Migrantengruppen integriert sind, meint Kamuran Sezer

 
 Wenn man sich die Frage stellt, woran man ein Quadrat erkennt, fällt die Antwort möglicherweise leicht. Bereits in der Schule hat man gelernt, dass ein Quadrat eine geometrische Form darstellt, die durch Merkmale wie gleichseitig, gleichwinklig, drehsymmetrisch usw. erkannt werden kann. Der Empiriker würde im Zweifel ein Geodreieck hervorholen, um zu überprüfen, ob die besagte geometrische Form alle objektiven Merkmale eines Quadrats erfüllt.

Schwieriger ist hingegen die Frage zu beantworten, woran man eine erfolgreich integrierte Person mit Migrationshintergrund erkennen kann. Je nach Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund, Einkommen usw. fallen die Antworten auf diese Frage sehr unterschiedlich aus. Sie wären genauso individuell und vielfältig wie die Menschen in unserer Gesellschaft.

Im Gegensatz zum Quadrat existiert vor allem in Deutschland keine allgemeingültige und anerkannte Definition für Integration. Dies ist nicht nur ein Makel in der deutschen Integrationspolitik, sondern ihr zentrales Problem, das die in der Öffentlichkeit geführten Debatten kompliziert macht und willkürlich wirken lässt. Jeder, der sich in der Integrationsdebatte zu Wort meldet, hat irgendwo und irgendwie Recht.

Es gibt in Deutschland lediglich eine Übereinkunft über den kleinsten gemeinsamen Nenner, was erfolgreiche Integration auszeichnet. Demnach ist ein Migrant erfolgreich integriert, wenn er die deutsche Sprache beherrscht, einen Bildungsabschluss besitzt und erwerbstätig ist.

Ein solcher Integrationsbegriff ist jedoch äußerst problematisch. Wendet man ihn an, so müsste auch Mohammed Atta, einer der Todespiloten vom 11. September, als integriert gelten. Er beherrschte die deutsche Sprache sehr gut. So gut sogar, dass er in Deutschland einen akademischen Abschluss erlangte.

Eine solche Operationalisierung, also die Messbarmachung des Begriffs Integration, birgt außerdem eine geringe Aussagekraft und ist in Hinblick auf die gesellschaftspolitische Steuerung dieses politischen Handlungsfeldes wenig praktikabel.

Kategorisierung nicht möglich

Wendet man die Schablone dieses Integrationsbegriffs beispielsweise auf meine Eltern an, würden sie als schlecht integriert gelten. Sie haben höchstens die Grundschule absolviert und beherrschen kaum bis gar nicht die deutsche Sprache. Wie kann es dann sein, dass alle ihre Söhne eine Ausbildung abgeschlossen haben, die deutsche Sprache sehr gut beherrschen und erwerbstätig sind?

Gruppenfoto vom Zweiten Integrationsgipfel 2008, Kanzlerin Merkel und Migranten; Foto: AP Kanzlerin Merkel auf dem Integrationsgipfel: "Wir befinden uns inmitten eines Aushandlungsprozesses über den Integrationsbegriff, der sehr kontrovers, emotional und hitzig verläuft", schreibt Sezer. Ich kenne auch einige türkische Familien, die alle Kriterien des Integrationsbegriffs erfüllen. Im perfekten Deutsch werden jedoch antisemitische Positionen vertreten oder in nationalistisch gefärbten Tönen eine strikte Assimilierungspolitik von ethnischen Minderheiten in der Türkei gefordert.

Der Versuch, die im Alltag repräsentierten Lebenskonzepte von Migranten anhand des Kriterienkatalogs des Integrationsbegriffs einzuordnen und zu kategorisieren, ist also schnell zum Scheitern verurteilt. Es funktioniert nicht!

Mit anderen Worten: In Bezug auf die praktische Integrationsarbeit bietet ein solcher Integrationsbegriff so viel Erkenntnis- und Nutzwert wie die Aussage, dass Nahrungsaufnahme sowohl wichtig für den Körper ist als auch Übergewicht verursachen kann. Integration muss offensichtlich aus mehr bestehen als aus der Beherrschung der deutschen Sprache, dem Besitz eines Bildungsabschlusses und Erwerbstätigkeit.

Keine Wertaussagen über Integration möglich

Es gibt in Deutschland empirisches Datenmaterial, das die Lebens-, Bildungs- und Arbeitsmarktlage von Migranten messbar macht. Eine zentrale Quelle ist der Mikrozensus. 2005 wurde erstmals auch der Migrationshintergrund der Bevölkerung erhoben. Seitdem wissen wir, dass fast jeder Fünfte einen Migrationshintergrund hat.

Symbolbild Einbürgerung; Foto: dpa
 "Empirische Studien lassen eine qualitative Aussage hinsichtlich des Integrationserfolgs nicht zu", schreibt Sezer.
Auch das Ausländerzentralregister ist eine solche Quelle für Forschung und Politik. Der Sozioökonomische Panel oder die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, der Integrationsbericht der Bundesregierung und der Integrationsbarometer des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration zählen zu diesen wichtigen Quellen.

Sie alle lassen aber keine Wertaussage zu, dass eine Migrantengruppe besser integriert sei als eine andere, wie es beispielsweise Thilo Sarrazin behauptet.

Wie man mit dem Versuch scheitern kann, anhand des Mikrozensus‘ eine vergleichende Wertaussage über den Integrationserfolg von Migranten zu treffen, demonstrierte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung im Januar 2009. In seiner Studie "Ungenutzte Potenziale – Zur Lage der Integration in Deutschland" haben die Autoren die Daten aus dem Mikrozensus ausgewertet, um den Integrationserfolg von Migrantengruppen zu messen und – noch merkwürdiger – diesen Erfolg in ein Ranking zu pressen.

Die vielfache Kritik an der Studie durch das Fachpublikum war berechtigt. Ihr seichtes Driften an den Rand der Integrationsdebatte ebenso.

Fehlende normative Referenzen

Das Fehlen einer Definition für Integration bestimmt die Art, wie die verfügbaren Daten gelesen werden müssen. Denn: Ohne Definition - keine Operationalisierung. Ohne Operationalisierung - keine Messung. Ohne Messung - keine vergleichbaren Wertaussagen.

Ein Ergebnis aus dem Mikrozensus 2005 lautet, dass 27,52% der Männer aus der Ukraine Arbeitslosengeld 1 und 2 beziehen. Damit sagt dieses Ergebnis eben nur aus, dass 27,52% dieser Männer aus dieser Community ihr Leben auf diese Weise bestreiten. Eine qualitative Aussage hinsichtlich des Integrationserfolgs lässt ein solches Ergebnis nicht zu. Solange keine Definition für Integration existiert, beschreiben solche empirischen Daten lediglich einen IST-Zustand. Sie bieten aber keinen Raum für qualitative Interpretationen zum Erfolg oder Misserfolg von Integration.

Tuba Isik-Yigit und Familienministerin Schröder auf der Islamkonferenz 2010; Foto: dpa

Deutsche Islamkonferenz 2010: Die Islamkonferenz biete eine effektivere Plattform für die Aushandlung des Integrationsbegriffs als der Austausch über den freien Meinungsmarkt, meint Kamuran Sezer. Um aufbauend auf den vorliegenden empirischen Datenmaterialien eine Wertaussage formulieren zu können, wird eine anwendbare und praktikable Definition von Integration benötigt, die als Norm bzw. als normative Referenz fungiert, um anhand der beobachtbaren und messbaren Abweichung zur Norm urteilen zu können, ob ein Migrant bzw. eine Migrantengruppe integriert ist oder nicht.

Solche normativen Referenzen und Normen existieren bereits in anderen gesellschaftspolitischen Handlungsfeldern. Eine Vollbeschäftigung etwa existiert, wenn eine Arbeitslosenquote von weniger als 3 Prozent beobachtet werden kann.

Ein anderes Beispiel ist die Definition der Armutsgrenze. Hier gibt es keine bundesweite Definition, da die Lebenshaltungskosten je nach Region in Deutschland sich unterscheiden. So wird zwischen Städten und ländlichen Gebieten aber auch zwischen Ost- und Westdeutschland unterschieden. Dabei handelt es sich nicht um ein zeitloses Fixum, sondern die Definition unterliegt einem permanenten politischen Aushandlungsprozesses.

Kontroverse Aushandlung des Integrationsbegriffs

Es ist also nicht unmöglich, solche definitorische Grenzmarken zur Messung des angestrebten Wirkungsziels auch für die Integration zu konzipieren. Warum klappt es dann nicht?

Der Punkt ist, es klappt! Wir befinden uns inmitten eines solchen Aushandlungsprozesses, der sehr kontrovers, emotional und hitzig verläuft. Erschwerend ist, dass an ihm parteipolitische Interessen aber auch Ängste und Verunsicherungen verkittet sind. Dieser Prozess ist im vollen Gange - und das ist gut so!

Kamuran Sezer; Foto: privat
Kamuran Sezer ist Soziologe und Initiator der Sozialstudie über türkische Akademiker und Studierende in Deutschland (TASD), die in den Medien großen Nachhall fand
Die Bestimmung einer solchen Norm bzw. normativen Referenz erfolgt nämlich nicht etwa aus dem Diktat eines Obrigkeitsstaates, sondern ist in einer modernen, multipolaren und pluralistischen Gesellschaft das Ergebnis eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses. Dieser wird geführt von Politikern, Wissenschaftlern, Lobbyisten, Medienmachern und selbstverständlich den Bürgerinnen und Bürgern.

Es wäre hilfreich und zweckdienlich, wenn der Integrationsgipfel und die Islamkonferenz der Bundesregierung neu konzipiert werden würden. Denn sie bieten politische Arenen an, in denen dieser Aushandlungsprozess effektiver stattfinden kann als der Austausch über den freien Meinungsmarkt, der auch von Profit- und Machtinteressen bestimmt wird.

Geprägt durch die Integrationsdebatten der vergangenen Monate ist aber zunehmend der Eindruck entstanden, dass die Bundesregierung, was den Integrationsgipfel und die Islamkonferenz betrifft, ihre eigenen Ziele konterkarieren möchte, weil sie die Deutungshoheit und Definitionsmacht über den Integrationsbegriff und darüber, "welcher" Islam zu Deutschland gehört, nicht mit anderen integrationspolitischen Akteuren teilen möchte.

Solange eine praktikable Definition von Integration in der deutschen Integrationsdebatte fehlt, verwundert die weit verbreitete Meinung nicht, dass Sarrazin mit seinen Thesen irgendwo und irgendwie Recht habe. Manchmal ist es auch einfacher, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, auch wenn die empirische Realität ganz anders aussieht.

Kamuran Sezer

© Qantara.de 2010

Kamuran Sezer ist Soziologe und Gründer des futureorg Instituts, eine Denkfabrik für Integration, Migration und Ethnic Business, die eine Sozialstudie über die türkischen Akademiker und Studierenden in Deutschland (TASD-Studie) gemacht hat.

Redaktion: Nimet Seker/Qantara.de  -http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-1296/i.l

 

 

 

 

 

 

   

Copyright © 2006
Elisabeth Mariam

Müller,
Danziger Straße 16,
53859 Niederkassel

counter kostenlos

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:

muslime-in-niederkassel@t-online.de

Telefon 02208 910396

Alle Texte, alle Fotos, alle Gestaltungselemente dieses Internetportals sind - sofern nicht ein anderes Copyright angegeben ist - für die Muslime in Niederkassel, Danziger Straße 16, 53859 Niederkassel,  urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung von Elisabeth Müller  unzulässig und strafbar. /span

Urheberrechtlich geschützt ist diese Homepages mit Textbeiträgen, Fotos, Grafiken, Animationen, Audios und Videos und Beiträge aller Art genießen Schutz nach dem Urheberrechtsgesetz. Auch für diese gilt also, dass zum Beispiel Vervielfältigungen nicht ohne weiteres zulässig sind.

Die Inhalte meine  Internetseiten "Muslime in Niederkassel" dürfen daher ausschließlich in den engen Grenzen der urheberrechtlichen Ausnahmetatbestände kopiert werden, zum Beispiel zum persönlichen privaten Gebrauch. Jede darüber hinausgehende Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Urhebers.

Sie dürfen also zum Beispiel ein Manuskript zum privaten Gebrauch auf Ihrer Festplatte speichern, es aber nicht auf Ihrer Homepage einstellen oder als Link und dadurch an mit Ihnen nicht persönlich verbundene Dritte weitergeben.

Layout und verantwortlich: Muslime in Niederkassel ist Elisabeth Mariam Müller

Die Webseite "Muslime in Niederkassel", Elisabeth Mariam Müller, Danziger Straße 16, 53859 Niederkassel  ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.

Stand: 14.06.2016

Eine interessante Webseite

Chronologie einer Erpressung

home.graffiti.net.

Buergerbund.l

Niederkassel Tuerkisch Islam Tuerkisch Kultur Luelsdorf muslim muslima.l

Buergerbund, Niederkassel, Luelsdorf, Muslim, Moschee, muellerndk ditip.l

home.graffiti.net.pdf

www.buergerbund.de.pdf

Niederkassel Tuerkisch Islam Tuerkisch Kultur Luelsdorf muslim muslima.pdf

niederkassel Türkisch Islam Tuerkische Kultur Lülsdorf muslim muslima

StartseiteInhalt und KontaktBücher
StartseiteAus NiederkasselNeuesPersönlichesVeranstaltungenPresseLerne den Islam kennen

Bildung

Bilder der Stadt

Inhalt und Kontakt  Das Jahr 2010Presse 2010PredigtFrau in der Religion

Lernen

Bilder

Islam - die Religion 

Muslime und die Medien

Integration und SPDDas Jahr 2009Presse 2009Gebetshaus

Gewalt, Zwangsheirat, Ehre

Musik

Alte Bilder

  Imame in Deutschland

Eine Muslima und die SPD

Das Jahr 2008Presse 2008

Das Gebet

Juden Christen Muslime

Elternrat

Bücher  

Die diffamierte Veranstaltung

Das Jahr 2007Presse 2007

Ramadan

Islamische Begriffe

  Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2009

Verunglimpfung im Internet

Das Jahr 2003-2006Presse 2006

Der Prophet/span

Dialog mit den Religionen

Stadt Niederkassel

    

Vergangene Veranstaltungen

 

Wallfahrt Opferfest

Kirchen in Türkei