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Oktober 2010 
 
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Es sind nicht nur Christen betroffen
 
Christenverfolgungen
 
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Die Deutschen triften nach rechts
 
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Schlagworte der Integration


Christenverfolgungen?

Es sind nicht nur Christen betroffen











 


Prof. Bielefeldt, - Foto: ddp

UN-Religionsberichterstatter Bielefeldt erklärt, warum Christenverfolgung ein heikler Begriff ist

Das Massaker an koptischen ägyptischen Christen an Neujahr schien einen Eindruck zu bestätigen, der sich seit geraumer Zeit verfestigt: Es gibt eine neue Form der Christenverfolgung. Schließlich ist die Lage der Christen ausgerechnet im Nahen Osten, wo das Christentum entstand, schon lange dramatisch. Die christliche Minderheit dort schrumpft und leidet – etwa im Irak seit dem Krieg – unter Morden und Diskriminierung; selbst in der laizistischen Türkei ist ihre Religionsfreiheit beschränkt. Aber auch in Indonesien wurden erst kürzlich Protestanten angegriffen.

Herr Professor Bielefeldt, gibt es eine neue Christenverfolgung?

Zunächst und vor allem: Die aktuell hohe Aufmerksamkeit für die Lage der Kopten und der Christen im Nahen Osten überhaupt, ist wichtig und sollte anhalten.

Gerade Ägypten gegenüber hat der Westen die Augen zu lange verschlossen, weil man das Land für einen Anker der Stabilität in der Region hielt. Die ägyptischen Kopten leiden schon seit Jahrzehnten unter systematischer Diskriminierung. Zum Beispiel werden Genehmigungen für die Renovierung von Kirchen oft jahrelang verschleppt. Im öffentlichen Dienst sind die Kopten dramatisch unterrepräsentiert. Und obwohl sie in den letzten Jahren immer wieder Opfer von Gewalt wurden, hat es nur ganz wenige Gerichtsurteile gegen die Täter gegeben. Mit dem Begriff Christenverfolgung wäre ich trotzdem eher zurückhaltend.

Wieso?

Es geht um Verletzungen des universalen Menschenrechts auf Religionsfreiheit, von denen vielfach Christen betroffen sind, aber eben auch Angehörige anderer Minderheiten – wie etwa die Baha’i. Darüber hinaus werden auch innerislamische Minderheiten oder muslimische Dissidenten in Ägypten und anderen Ländern der Region unterdrückt. Und schließlich gibt es ja auch Menschen, die sich der Religion gegenüber generell distanziert verhalten. Auch deren Freiheit muss gewährleistet werden. Religionsdistanz oder gar Religionslosigkeit ist aber in Staaten wie Ägypten nicht vorgesehen.

Die Zahlen scheinen aber eine andere Sprache zu sprechen. Es gibt die These, die auch Papst Benedikt vertritt, dass Christen weltweit die meistverfolgte Glaubensgemeinschaft sind. Stimmt das?

Quantitative Schätzungen in diesem Zusammenhang sind schwierig und sollten vorsichtig interpretiert werden. Häufig liest man die Zahl von 100 Millionen oder mehr verfolgten Christen. Soweit ich das verstanden habe, werden dabei alle Christen, die als Minderheiten in solchen Staaten leben, die die Religionsfreiheit missachten, pauschal addiert. Sofern es sich dabei um muslimisch geprägte Staaten handelt, wird meines Wissens gleichzeitig vorausgesetzt, dass für Muslime keinerlei Probleme in Sachen Religionsfreiheit gegeben seien – eine, wie ich finde, unzulässige Annahme. Außerdem wäre es wichtig, bei der Analyse der Lage der verschiedenen Religionsgruppen interne Unterschiede angemessen zu berücksichtigen.

Welche meinen Sie?

In manchen Staaten des Nahen Ostens werden etwa protestantische Christen mit besonderem Misstrauen betrachtet, weil sie im Rufe stehen, aktive Mission zu betreiben – was oft staatlich nicht toleriert wird, obwohl die Religionsfreiheit auch das Recht auf aktive Glaubensverkündigung umfasst. Besonders schwierig ist vielerorts auch die Situation der Zeugen Jehovas, die zu den weltweit am stärksten verfolgten Gruppen gehören.

Uns im Westen stecken beim Stichwort „Christenverfolgung“ vermutlich die Hollywood-Bilder der fünfziger Jahre im Kopf, wilde Tiere im Kolosseum, denen der Kaiser standhafte Christen zum Fraße vorwirft. Wie weit trägt der Begriff heute?

Solche Assoziationen gehen in die Irre. Das alte Rom war im Umgang mit religiösem Pluralismus ausgesprochen pragmatisch und überhaupt nicht gesinnungspuristisch. Die Christen wurden verfolgt, insofern sie den kultischen Loyalitätsbeweis gegenüber Kaiser und Staat verweigerten. Zeitgenössischen Fundamentalisten geht es demgegenüber um Einheit und Reinheit in religiösen Fragen. Sie bedrohen deshalb – zum Beispiel in Indonesien – nicht nur Christen, sondern alle, die nicht in ihr Schema von reiner Lehre und reinem Lebenswandel passen: Andersgläubige, liberale Muslime, Homosexuelle, kritische Geister jedweder Art.

Das klingt, im negativen Sinne, ziemlich modern.

Der heutige Fundamentalist begnügt sich, anders als Kaiser Diokletian damals, eben nicht mit ein paar Körnchen Weihrauch für den Staatskult. Vielmehr geht es um systematische Gesellschaftspolitik, in der religiöse Imperative und technokratische Vorstellungen von „social engineering“ in paradoxer Weise verbunden werden. Insofern hat der religiöse Fundamentalismus unverkennbar moderne Züge, auch wenn er alle liberalen Errungenschaften der Moderne bekämpft.

Das Gespräch führte Andrea Dernbach.

   
  

Christenverfolgungen in islamischen Ländern?

Stimmt das wirklich?

In allen muslimischen Stammländern des Nahen Ostens sind viele christliche Kirchen, häufig mit angeschlossenen Schulen und medizinischen Einrichtungen zu finden. In diesen Ländern können die Christen sich relativ frei bewegen und ihre Religion praktizieren.

Immer wieder wird behauptet, dass die Christen in muslimischen Ländern verfolgt werden und sich entschließen ihr Land zu verlassen.

Auch die Abwanderung von Christen aus Palästina, wie ich es vorige Tage gelesen, wird den Muslimen angelastet.

Aber ich habe mit einigen hier lebenden, christlichen Palästinenser gesprochen, und gehört, dass es vor allem die israelische Armee ist, die gegen die christlich-palästinensische Minderheit, ebenso wie gegen die Muslime vorgeht.

Viele Christen würden von dieser Regierung – schreibt der Vatikan wortwörtlich „hinausgejagt“. Die Synode der katholischen Kirche hat beklagt, wie illoyal der israelische Staat gegenüber der christlichen Minderheit der Palästinenser vorgeht. Warum wird das immer den Muslimen angelastet, die selber ja unter dieser Bedrängung leidet.

Oft wird übersehen, dass die Verfolgung von Christen, gar keinen religiösen Hintergrund hat, sondern ethnische, politische oder ökonomische und soziale Gründe.

Muslime haben eine traurige Vergangenheit. Bis in die heutige Zeit und waren sie viel häufiger Opfer von Verfolgung und Diskriminierung, bis in die jetzige Zeit. Man muss nur unsere Medien betrachten. Aber wir hören immer nur, die Christen werden verfolgt.  Wenn ich an Bosnien, China, Indien, Kaschmir, Palästina, Tschetschenien denke, dann finde ich in den Medien sehr wenig davon.

Unser Bundespräsident hat bei seinem Besuch in der Türkei gemahnt, den Kirchen mehr Freiraum zu geben. Klagen über Diskriminierung von Christen sind berechtigt, aber können nicht dem Islam oder den Muslimen angelastet werden, sondern müssen dem Staat mit seiner bislang oft undemokratischen Herrschaft angelastet werden.

Die Regierung Erdogan hat jetzt erst begonnen, bessere Voraussetzungen für die christliche Minderheit zu schaffen. Auch das die vielen christlichen Griechen das Land verlassen mussten, hat nicht in erster Linie religiöse Gründe, sondern das sind die Folgen der griechisch-türkischen Kriege. Es kam zu Austausch von Landteilen, so mussten dann viele Griechen ihr Land verlassen, aber ebenso auch Türken mussten ebenso ihr angestammtes Land verlassen.

Auch den Konflikt mit den Armenier hatte nichts mit religiösen Gründen zu tun, sondern hatte politische Gründe, die Armenier hatten sich im ersten Weltkrieg auf die Seite des Kriegsgegners Russland gestellt und damit den Konflikt verursacht. Also waren das keine Christenverfolgung, sondern politische Gründe die das Verbrechen an den Armenier verursacht hatte.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Türkei Militärdiktaturen bis 1982 hatte, dadurch besteht die Religionsfreiheit eigentlich nur als Theorie. Diese Machthaber haben nicht nur christliche Minderheiten diskriminiert, sondern auch die muslimische Mehrheit. – Verbot von muslimischer Kleidung von Männern und Frauen, zeitweise Verbot von der Pilgerfahrt, Weisungsbefugnis des Staates gegenüber den Muslimen.

Im Irak sind die muslimischen Flüchtlinge um ein vielfaches höher als die der Christen, die geflohen sind, hier ist wirklich in Einzelfällen religiöse Beweggründe zu finden. Die Ursachen hier sind auch weniger die Religion, sondern Krieg, Kriegsfolgen, Bürgerkrieg, diese Gründe gelten auch für die Mehrheit der irakischen Christen. Alle Entwurzlungen von Menschen sind zu verurteilen, es sind ca zwei bis drei Millionen Menschen.

Auch in Indonesien sind es Kämpfe, die ethnisch begründet sind, es sind Kämpfe um Land und Macht, die oft von beiden Seiten schreckliche Folgen haben.

Warum wird immer wieder die islamische Religion und Muslime beschuldigt, die Christen zu verfolgen?

Es ist unsachlich und ungerecht. Wer den Islam kennt, weiß dass der Islam die Menschenrechte schon unter dem Propheten gelebt hat und die Muslime mit Menschen aller Religionen zusammen friedlich gelebt hat, was man heute noch in vielen Ländern erkennen kann und auch erleben kann. Es ist schade, das viele Christen sich auf Kosten der Muslime profilieren müssen. Und viele Politiker, ohne zu hinterfragen auf diese Schiene aufspringen

Elisabeth Mariam Müller

  

 

  

Wenn Fachkräfte auswandern

Junge Türken kehren Deutschland den Rücken

Von Luise Sammann

Jährlich wandern mehr türkischstämmige Menschen aus Deutschland aus als ein, darunter viele Hochqualifizierte. Sie zieht es auch nach Istanbul, wo sie im Rahmen eines deutsch-türkischen Stammtisches ihre deutschen Kontakte und die Sprache pflegen.

"Ja, wieso kommen wir zu diesem Stammtisch. Ja, hier sprechen wir hauptsächlich Deutsch und die meisten sind auch aus Deutschland und ja, da fühlt man sich halt auch so'n bisschen wie in Deutschland."

Der 29-jährige Bülent - Goldkettchen, durchtrainierter Oberkörper, knappes Shirt - sitzt im Café Teras, irgendwo in Istanbuls Partyviertel Beyoglu. Der Bosporus ist so nah, dass man ihn riechen kann. Bülent ist zum Rückkehrer-Stammtisch gekommen, wie jeden Monat. Obwohl - das stellt er gleich zu Anfang klar - der Name eigentlich nicht ganz stimmt. Denn viele der deutsch-türkischen Stammtisch-Besucher sind längst in Deutschland geboren und aufgewachsen. Nach Istanbul sind sie also weniger zurückgekehrt, als vielmehr ausgewandert.

"Das ist gar nicht Nachhausegehen, das ist also ... Ob's jetzt für mich Türkei ist oder ob's jetzt Kamerun oder Afrika ist, das spielt keine Rolle. Das ist für mich nichts anderes gewesen. Dass meine Eltern aus der Türkei kommen, heißt noch lange nicht, dass das meine Heimat ist, hier. Ich bin hier hergekommen, also aus geschäftlichen Gründen und wegen Job".

Bülent ist ein Beispiel unter Vielen. 40.000 Menschen haben Deutschland im letzten Jahr in Richtung Türkei verlassen - nur 30.000 sind von dort eingewandert. Für die einen ist die Türkei, wie für Bülent, nur ein Land wie jedes andere. Für die anderen ist es ein lang gehegter Traum. So auch für den 40-jährigen Arda Sürel, der sich vom Nebentisch herüberbeugt.

"Bei mir war's Zurückkommen. Ganz klar, es war ein Kindheitswunsch, den ich immer schon hatte. Ich war zwei, als wir nach Deutschland gezogen sind und seitdem ich mich erinnern kann, wollte ich zurück in die Türkei. Ich wollte nach Istanbul nicht in die Türkei, sondern nach Istanbul, meine Familie ist hier."

Vor sechs Jahren packte Sürel in Deutschland seine Koffer und kam an den Bosporus. Sein Geld verdient er nun damit, dass er Deutschtürke ist: Sürel berät deutsche Firmen in der Türkei, erstellt für sie Marktanalysen, entwickelt Strategien für den türkischen Markt. Ein typisches Beispiel, meint Cigdem Akkaya, die den Stammtisch vor vier Jahren ins Leben gerufen hat.

"Ich denke, dass qualifizierte Menschen aus Deutschland, die haben in der Türkei bessere Chancen als in Deutschland mit einem türkischen Namen. Das ist der Grund. Weil, wenn sie allein jetzt Berlin sich anschauen: Nirgendwo auf der Welt gibt's wahrscheinlich so viele Taxifahrer mit Universitätsdiplom, die türkischer Herkunft sind."

Und so sind 90 Prozent der Deutschtürken, die sich einmal im Monat beim Istanbuler Rückkehrer-Stammtisch treffen, Akademiker, erzählt Akkaya. Beim ersten Treffen vor vier Jahren waren sie zwölf, beim Zweiten 15 - inzwischen sind etwa 750 Rückkehrer auf einer Onlineplattform vernetzt.

"Also Netzwerke braucht man beim Zugang zum Arbeitsmarkt genauso wie in Deutschland auch in der Türkei. Aber diejenigen, die in Deutschland sind, die können auf Netzwerke in höher gestellten Bereichen nicht zurückgreifen, weil ihre Eltern Arbeitsmigranten sind, Gastarbeiter. Verglichen mit einem Arztkind zum Beispiel. Der kann viel schneller einen Praktikumsplatz finden oder auch dementsprechend seine berufliche Karriere vorbereiten, wenn die Eltern oder das Elternhaus das anbietet. Viele Migrantenkinder in Deutschland haben diese Möglichkeiten nicht."

Was sich beim Rückkehrer-Stammtisch in Istanbul im Kleinen beobachten lässt, belegt eine Studie des Dortmunder Futureorg-Instituts: Demzufolge plant an deutschen Unis jeder dritte Studierende mit türkischen Wurzeln seine Karriere in der Türkei - nicht etwa in Deutschland. Vor allem die jungen, gut ausgebildeten Deutschtürken, die mindestens zwei Sprachen sprechen und in zwei Kulturen zuhause sind, kehren Deutschland den Rücken. Was ihnen in Deutschland zum Nachteil wird, ist in der Türkei ihr Kapital!

  

 Schreibt eine Türkin.

Hanim hat geschrieben:

„Es stimmt, dass die türkischstämmigen Akademiker mehr und mehr an eine Rückkehr in die Türkei denken. Sie haben es nicht nötig, sich von einer Gesellschaft als 2. Wahl abstempeln zu lassen, wobei sie sehr gut integriert sind, eine Ausbildung oder einen Hochschulabschluss haben, ihre  Kinder beherrschen die deutsche Sprache und sie tragen dazu, dass die deutsche Wirtschaft aufblüht. Ich habe kein Problem in der Türkei mit meinem/er Wissen/Ausbildung und den drei Sprachen, die ich spreche auch mit einem Kopftuch eine Stelle zu finden. Mein Mann wäre auch als Sportwissenschaftler sehr willkommen. Wenn solche, wie wir uns von Deutschland verabschieden, dann können sie sich wirklich nur noch mit den Migranten beschäftigen, die niemals einen Beruf erlernt haben und auf der Tasche des Staates leben und sowieso nie beabsichtigen zu arbeiten. Diese würden auch immer in Deutschland bleiben, da sie auch in Ihrer Heimat keine Arbeitschancen haben. Dann würde ich sagen, dass Deutschland die A....karte gezogen hat!!!!! Es wird langsam aber sicher zu viel und beleidigend!!!“

  

  

 

  

  

 

  

Die Deutschen driften nach rechts

Erstellt 13.10.10

Bedenkliche Entwicklung: Eine Studie ergibt, dass die Zahl der Menschen, die sich zu ausländerfeindlichen Ansichten bekennen, zuletzt dramatisch gestiegen ist. Derartige Einstellungen seien in allen gesellschaftlichen Gruppen anzutreffen.

 

Selbstverpflichtung der Medien auf nichtdiskriminierende Berichterstattung

Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Antiislamismus sind Sonderfälle einer allgemeinen Diskriminierungs- und Stigmatisierungsgefahr in unserer Gesellschaft. Jeder kann jederzeit als Angehöriger einer Gruppe zum  Opfer werden und öffentlicher Bloßstellung werden.

Gerade die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten erfüllen  zunehmend weniger ihren Bildungsauftrag und füllen ihr Programm  immer mehr mit Unterhaltungsformaten. Dabei ist die differenzierte  Berichterstattung über das politische Geschehen eine Grundvoraussetzung für eine demokratische Gesellschaft.

Wer nun einwendet, dass dies eine Bevormundung der Bürgerinnen und Bürger sei, die sich ihr Programm doch selbst auswählen können, vergisst die starke Wirkung der derzeitigen Berichterstattung.

Wo gesellschaftliche Prozesse vereinfacht bis zur Unwahrheit dargestellt werden, vollzieht sich eine Erziehung zur Unmündigkeit. An die Medien muss in einer Demokratie jedoch die  Anforderung gestellt werden, nicht bei der Stigmatisierung von Einzelpersonen oder Gruppen mitzuwirken und gewissermaßen als verlängerter Pranger zu fungieren, indem gesellschaftliche Probleme zu individuellen oder ethnischen Eigenschaften umgedeutet werden. Gerade an die privatwirtschaftlichen Medien ist die Forderung zu richten, sich zu einer Kultur der Antidiskriminierung zu verpflichten.

weitere Berichterstattung zu diesem Thema

Studie: Islamfeindlichkeit in Deutschland steigt – Giftige Saat scheint aufzugehen

http://www.islam.de/16598.php

  

 

  

Uni Osnabrück macht Angebot an islamische Vorbeter

Imame als Studenten in Deutschland

Die Universität Osnabrück macht als erste deutsche Hochschule Imamen ein Angebot zur Weiterbildung. Weitere Universitäten sollen folgen. Die Fortbildung von islamischen Vorbetern sei für die Integration von Muslimen von großer Bedeutung, so die niedersächsische Integrationsministerin Aygül Özkan, CDU. Imame würden neben der deutschen Sprache auch Grundlagen der pädagogischen Arbeit und Landeskunde lernen. Für die 30 Studienplätze lägen bereits 90 Bewerbungen vor. tagesschau.de hat das Wichtigste zur Ausbildung und zu den Aufgaben von Imamen zusammengefasst.

Wie viele Imame gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es etwa 1250 hauptamtliche und eintausend ehrenamtliche Imame.

Woher stammen die Imame?

Nach Schätzungen des Zentralrats der Muslime kommen über 90 Prozent der Imame aus der Türkei, vereinzelt auch aus Marokko, dem Iran und anderen Ländern. In den Gemeinden der DITIB, dem Dachverband der türkischen Muslime in Deutschland, wirken ausnahmslos türkisch sprechende Imame, sogenannte Religionsbeauftragte. Ausgewählt werden sie in der Türkei von der "Gemeinsamen Kulturmission", in der Vertreter verschiedener Ministerien sitzen.

Welche Ausbildung haben Imame?

Imame aus der Türkei werden dort an staatlich anerkannten islamisch-theologischen Instituten ausgebildet und schließen mit einem Diplom ab. Wenn sie ins Ausland entsandt werden unterstehen sie – als Quasi-Diplomaten – den Attachés für religiöse Dienste der türkischen Generalkonsulate. Über die Kultur und das Grundwerteverständnis in ihrem Einsatzgebiet wissen sie jedoch oft nur wenig, bemängeln Kritiker. Ihr hauptsächlicher Auftrag sei es, in Deutschland den "türkischen Staatsislam" absichern zu helfen.

Welche Aufgaben hat ein Imam?

Immer wenn Muslime gemeinsam beten, wird das Gebet durch einen Vorbeter geleitet. Der islamischen Tradition zufolge ist es die Funktion des Vorbeters, dafür zu sorgen, dass die Gemeinschaft der Betenden das Ritual gleichzeitig, gleichmäßig und in einer geordneten Form vollzieht. Die Aufgabe des Vorbeters kann von jedem Muslim übernommen werden, der dazu in der Lage ist. Er muss dafür lediglich den Ablauf des Gebets kennen und darf nicht über körperliche Gebrechen verfügen, die den korrekten Vollzug behindern oder unmöglich machen. Da die Gebetsformeln auf Arabisch rezitiert werden müssen, muss der Vorbeter sie in dieser Sprache auswendig kennen, wobei auch auf die korrekte Aussprache Wert gelegt wird.

Gibt es weibliche Imame?

Unter Muslimen ist es strittig, ob und unter welchen Umständen Frauen als Imam tätig sein dürfen. In mehreren Staaten Europas und in USA haben Frauen diese Aufgaben schon übernommen. So leitete in New York eine Frau das Freitagsgebet. Alle traditionellen Rechtsschulen des Islam sind allerdings der Ansicht, dass eine Frau in einer aus Männern und Frauen bestehenden Gemeindeversammlung nicht das Gebet leiten darf.

Warum islamische Theologie an deutschen Universitäten?

Politik und Wissenschaft wollen auch den Muslimen, die mit etwa vier Millionen Menschen die größte religiöse Minderheit in Deutschland sind, die Möglichkeit geben, ihren geistlichen Nachwuchs an den staatlichen Universitäten ausbilden zu lassen. Die Hochschulen in Erlangen-Nürnberg, Frankfurt am Main, Osnabrück und Münster wollen Lehrstühle einrichten. Die islamischen Gemeinschaften würden damit, wie die christlichen Kirchen auf akademischer Ebene eine Stimme bekommen.

Auch der Ausbreitung undemokratischer und fundamentalistischer Einstellungen bei deutschen Muslimen könnte entgegengewirkt werden. Bisher existieren in Deutschland nur wenige islamisch-theologische Bildungsinstitutionen, die Wissen über die historische und regionale unterschiede des Islams kompetent vermitteln können.

Von ausländischen Staaten finanzierte Institutionen, die ihr Wissen über den Islam propagieren, vertreten zumeist kein pluralistisches Programm.

Was soll das Studium leisten?

Das Studium, das mit dem Bachelor oder Master abschließt, soll Frauen und Männer für das staatliche Lehramt und als Imam, also als Vorbeter und Prediger in der Gemeinde, qualifizieren. An jedem Zentrum sollen sechs Professuren hauptsächlich für die Sprache des Koran, also das Arabische, sowie für die Religion in ihren geschichtlichen und systematischen Aspekten, das Recht sowie die religiöse Erziehung eingerichtet werden. Zumindest in der Startphase müssten hochqualifizierte Wissenschaftler aus dem Ausland gewonnen werden.

Wie kann man die Pluralität des Islam abbilden?

Da es im Islam keine Kirchenstruktur gibt, empfiehlt der Wissenschaftsrat nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" Beiräte für Islamische Studien einzuführen. Sie sollen bei der Gestaltung der Studiengänge und der Auswahl von Wissenschaftlern mitbestimmen. Die Beiräte sollen die Pluralität im Islam abbilden. Ihnen sollen muslimische Verbandsvertreter angehören, außerdem islamische Gelehrte und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Wer ist legitimierter Partner auf Seiten des Islam?

Deutschland braucht als weltanschaulich neutraler Staat für das bekenntnisgebundene Studium auch legitimierte Partner auf Seiten der Religionsgemeinschaften. Im Rahmen der christlichen Theologie sind das die Kirchen. Von ihnen hängen die Lehrinhalte ab, sie sprechen auch bei der Auswahl der Professoren mit. Für die mehr als drei Millionen Muslime in Deutschland nimmt dieses Recht eine Mehrzahl von Verbänden in Anspruch. Von ihnen hängt es ab, ob die Moschee-Gemeinden den Absolventen tatsächlich eine Imam-Stelle anbieten werden und die Schüler die künftigen Religionslehrer akzeptieren. Nicht alle Verbände sind allgemein akzeptiert: Skeptiker warnen, weil sie an deren Verständnis von Demokratie und eines modernen Lebens in Deutschland zweifeln.

Welches politische Ziel hat die Ausbildung?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verspricht sich von der gezielten Förderung der Imame eine Öffnung der muslimischen Gemeinden. Die Hoffnung ist, dass die Prediger einerseits durch ihre eigene Integrationsbereitschaft selbst als Vorbild für andere Gemeindemitglieder wirken und andererseits Ansprechpartner im interreligiösen Dialog in Deutschland werden.

Welche Kritik gibt es an staatlicher Ausbildung?

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) fordert, dass "religiöse Funktionäre" nicht mit deutschen Steuergeldern finanziert werden dürften. Die Kritik des IBKA richtet sich nicht speziell gegen die islamische Theologie, sondern gegen Theologie im Allgemeinen, die nach seiner Auffassung keine Wissenschaft darstellt, weil sie an vorgegebene Glaubenssätze gebunden ist.

Was kostet die Ausbildung?

Der Studiengang soll von Bund und Ländern gleichermaßen finanziert werden. Je Institut rechnet der Wissenschaftsrat mit Kosten in Höhe von einer Million Euro im Jahr. Der Rat habe Bund und Länder gebeten, den Ausbau zu finanzieren und zu koordinieren.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In Österreich bildet die Islamische Religionspädagogische Akademie in Wien seit 1998 in einem dreijährigen Diplom-Lehrgang Imame mit finanzieller Unterstützung des Staates aus. Der Islam ist, anders als in Deutschland, als öffentliche Körperschaft anerkannt. Ziel ist, dass ausschließlich im Land ausgebildete Imame in den Moscheen predigen und so auch eine bessere Kontrolle über die Predigtinhalte möglich wird.

In den Niederlanden hat das Thema Islam und Imame in den Jahren von 2001 bis 2004, von den Anschlägen vom 11. September bis zum Mord an Theo van Gogh, an Dramatik und Aktualität gewonnen. Deshalb hat die niederländische Regierung unter anderem seitdem ihre Bemühungen zur Einrichtung von inländischen Imam-Ausbildungsprogrammen verstärkt. Gleichzeitig wurden die Einreisebedingungen für ausländische Imame etwa durch den Nachweis entsprechender Ausbildung und Sprachkenntnisse erschwert.

Zusammengestellt von Norbert Illes, tagesschau.de

  

 


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Stand: 14.06.2016