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Ein neuer Lebensweg

Elisabeth Mariam Müller

Von der Genossin zur Muslima - Muslima ohne Kopftuch

Elisabeth Müller ist vor zehn Jahren zum Islam übergetreten. Seitdem musste die frühere Katholikin gegen viele Widerstände ankämpfen. Heute betreibt sie Aufklärungsarbeit für ihre neue Religion und erklärt welche Gemeinsamkeiten die drei monotheistischen Religionen verbinden.

Bruch mit der katholischen Kirche

Ein Blick in Elisabeth Müllers Vergangenheit lässt allerdings staunen, dass gerade sie zum Islam gefunden hat.

Als Kind sei sie "fundamentalistisch" katholisch erzogen worden. Doch bereits vor fast vierzig Jahren wandte sie sich ab von ihrer alten Religion. Vor allem die Haltung des Vatikans zu Verhütungsmitteln in Afrika wollte sie nicht mehr mittragen: "Das ist in meinen Augen Mord", sagt Müller.

Seitdem sei sie immer auf der Suche nach ihrer Religion gewesen. Durch ein Seminar an der Universität Bonn ist sie dann auf den Islam aufmerksam geworden. Sie war schließlich eine von acht, die ihr Islaminteresse zum festen Glauben machen wollten:

"Irgendwann hab ich gemerkt, das ist das Richtige, die Religion des Friedens, der Liebe, der Barmherzigkeit", erklärt Müller.

Auch das Fehlen eines obersten Verantwortlichen wie dem katholischen Papst faszinierte Müller.

Keine Akzeptanz von den Parteigenossen

Sie war zur Zeit der Konversion Mitglied des Rates der Stadt Niederkassel für die SPD, hier bekleidete sie hohe Ämter, war über 15 Jahr stellvertretende Fraktionsvorsitzende - Geschäftsführung und davor über 10 Jahre stellv. Vorsitzende des Ortsvereins.

Im Jahr 2002 sprach sie ihr Glaubensbekenntnis, behielt ihren Übertritt zum Islam zunächst aber für sich. "Ich hab immer gesagt: Das ist meine ureigenste Sache, was ich glaube. Nicht einmal ihrem Mann, einem Christen, hat sie sofort davon erzählt.

Auch wenn der sie heute in ihrem Glauben unterstützt, war Müller besorgt, er würde versuchen, sie von ihrer Entscheidung abzubringen.

"Ich habe immer gesagt; Das ist meine ureigenste Sache, was ich glaube. Das geht niemanden etwas an", sagt sie.

Dass diese Vorsicht angebracht war, zeigte sich in den Reaktionen ihrer Mitmenschen. Selbst die Genossen der SPD wollten Müllers Entscheidung nicht akzeptieren, als es im Jahr 2006 öffentlich wurde, dass sie sich zum Islam bekannte: "

Alle Vorurteile trafen sie mit Härte.

Mit so jemandem könne man bei dem Frauenbild im Islam nicht zusammenarbeiten."

Daraus hat Müller, nach 25 Jahren Mitgliedschaft in der SPD, Konsequenzen gezogen ist sie ausgetreten. Ihren Sitz im Stadtrat hat sie bis zur Kommunalwahl Ende Oktober 2009 jedoch noch beibehalten.  

Die Angriffe christlicher Mitmenschen kontert sie mittlerweile mit links: Abschottung, Frauenunterdrückung, Fundamentalismus -das seien Vorurteile. Sie selbst bedeckt ihr Haar ausschließlich zum Beten, weil sie sich damit besser konzentrieren könne. Das Symbol Kopftuch hält sie für überbewertet.

Und trotzdem zollt sie den Muslimas Respekt, die das Kopftuch selbstbewusst tragen, entgegen aller Widerstände: "Ich hab das mal zwei Tage lang gemacht, bin mit Kopftuch in Bonn einkaufen gegangen und hab dann gemerkt, wie man behandelt wird. Das ist grausam." 

In der muslimischen Gemeinde in Niederkassel wurde Müller vor zehn Jahren mit offenen Armen aufgenommen.

Inzwischen gibt sie Islamunterricht - Religionsunterricht - für Menschen, die die Verkehrssprache deutsch haben, mit Erfolg.

Sie ist dem Liberal islamischen Bund e.V. beigetreten und steht hinter diesen Grundsätzen

Der LIB e.V. verfolgt im Wesentlichen folgende Ziele: 

       Pflege von Religion sowie religiösen Belangen im Sinne ihrer Mitglieder

       Repräsentation der Stimme liberaler Muslime

       Etablierung als Ansprechpartner in theologischen Fragen für Gesellschaft, Politik und Religion

       Einführung eines flächendeckenden islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache an öffentlichen Schulen 

       Kompetenzförderung durch Vermittlung theologischen Fachwissens

       Durchführung eines Idschtihâds (diskursive Theologie) 

       Veränderung bzw. Öffnung der Universitätslandschaft für islamische Belange

       Förderung eines offenen wissenschaftlichen Diskurses

       Förderung von Geschlechtergerechtigkeit (sowohl pädagogisch als auch theologisch)

      Etablierung eines interreligiösen Diskurses in alle Richtungen 

Elisabeth Müller selbst freut sich nun jeden Tag auf die fünf muslimischen Gebete und liest häufig im Koran

In der Gemeinde in Niederkassel ist sie inzwischen als ganz normale Muslima anerkannt.

Naja, so ganz normal ist sie dann doch nicht.

Denn so viel Werbung hat in der rheinischen Kleinstadt wohl nie jemand für den Islam gemacht, allen Vorurteilen zum Trotz.

Autor: Moritz Schröder   --------------------------------------  Redaktion: Stephanie Gebert

"Dann schaute ich in mein Herz, und da, wo ER wohnte, da fand ich IHN. Sonst war ER nirgends zu finden." 

"Ich schaute in mein eigenes Herz. An diesem Ort sah ich ihn.  Er ist an keinem anderen Ort." 

"Ich prüfte mein Herz, und dort verweilte er, als ich ihn sah."

 

 
 
   
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Stand: 18.02.2017

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